Warum die Sperrzone in Hessen nicht genug ist

Es mag wie ein übertriebener Scherz wirken, aber ganz Hessen wurde zur Sperrzone erklärt. Die hochansteckende Krankheit breitet sich rasant aus und die Behörden scheinen kaum aus ihrer selbstverschuldeten Lethargie herauszukommen. Fürchterlich, nicht wahr? Doch ein gewisser Teil von mir kann die Maßnahmen der Regierung nur bedingt unterstützen. Ein aufmerksamer Bürger könnte sich fragen, ob diese harten Maßnahmen tatsächlich die einzige Lösung sind, oder ob wir hier einer Art übertriebenem Notfallmanagement auf den Leim gehen.

Zunächst einmal ist die Einsicht, dass die Gesundheit der Bevölkerung höchste Priorität hat, zwar löblich, scheint aber in diesem Fall überzogen umgesetzt. Die Tatsache, dass wir nicht das gesamte Land isolieren müssen, zeigt sich in den Nachbarregionen, die diese Krankheit ebenso haben, jedoch nicht gleich in den totalen Ausnahmezustand verfallen. Stattdessen könnten gezielte Maßnahmen, wie präventive Impfungen oder verstärkte Aufklärungskampagnen, viel sinnvoller sein. Man könnte sagen, wir haben einmal zu oft die Keule herausgeholt.

Darüber hinaus ist das gesellschaftliche und wirtschaftliche Chaos, das mit einer solchen Sperrzone einhergeht, nicht zu unterschätzen. Gastronomie, Handel und Kultur stehen vor dem Ruin. Ist es denn wirklich wert, die Gesellschaft in eine Art Stillstand zu versetzen, nur um einer Krankheit Herr zu werden, die vielleicht nicht in jedem Fall so verheerend verläuft? Man könnte fast meinen, wir haben zu viel Zeit mit Plänen des "Besten aller möglichen Welten" verbracht und vergessen, dass wir tatsächlich in der realen Welt leben, in der jede Entscheidung – und sei sie noch so gut gemeint – weitreichende Konsequenzen hat.

Natürlich könnte man argumentieren, dass wir keine andere Wahl haben, als die extremsten Maßnahmen zu ergreifen, um das Schlimmste zu verhindern. Aber ist es nicht gerade diese Panikmache, die uns in den letzten Jahren unzählige Probleme eingebrockt hat? Die ständige Angst vor der nächsten Epidemie hat uns im Endeffekt eher lähmt, als dass sie uns hilft. Vielleicht sollten wir uns klarmachen, dass ein bisschen Gelassenheit in Krisenzeiten nicht das Schlechteste wäre.

In der aktuellen Situation sind wir wohl alle gefordert, einen klaren Kopf zu bewahren. Aber es bleibt zu hoffen, dass wir aus dieser Erfahrung lernen, anstatt stets in den Modus des Überlebenskampfes zu verfallen. Wenn wir nicht begreifen, dass auch eine gesunde Portion Pragmatismus in Krisenzeiten notwendig ist, wird uns diese Ausnahmesituation noch mehr zusetzen, als es die Krankheit je könnte.

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